Gebäudedämmung als Schlüssel zur Versorgungssicherheit: Zwei Studien, eine Botschaft

Die Schweiz steht vor einer strukturellen Herausforderung: Im Winter produziert sie zu wenig Strom für den eigenen Bedarf – und die Situation verschärft sich in den kommenden Jahren unter anderem durch die Elektrifizierung von Heizungen, Mobilität und Industrie. Was die von Flumroc beauftragte Studie der Hochschule Luzern bereits belegt hat, bestätigt nun auch eine unabhängige Studie der Fachhochschule OST: Die Sanierung der Gebäudehülle ist der wirksamste Beitrag, den der Gebäudesektor zur Verkleinerung der Winterstromlücke leisten kann. Der Gebäudesektor macht heute immerhin 40% des Energieverbrauch in der Schweiz aus.

Winterstromlücke – ein strukturelles Problem der Energiewende 

Der Umstieg von fossilen Heizungen auf Wärmepumpen und andere erneuerbare Heizsysteme ist richtig und notwendig. Doch er hat eine Kehrseite: Wärmepumpen sind vor allem im Winter im Einsatz – genau dann, wenn die Schweiz ohnehin zu wenig Strom produziert. Dieses saisonale Ungleichgewicht zwischen Produktion und Nachfrage wird als Winterstromlücke bezeichnet. Sie kann nicht durch kurzfristige Speicher überbrückt werden und macht die Schweiz im Winter abhängig von Stromimporten. 
 
Wie gross diese Lücke wird, hängt mit davon ab, wie konsequent die Gebäude gleichzeitig gedämmt werden. 

Was die Flumroc-Studie zeigt 

Die von Flumroc beauftragte Studie der Hochschule Luzern hat den direkten Zusammenhang zwischen Dämmung und Strombedarf konkret berechnet: Werden fossile Heizungen durch Wärmepumpen ersetzt, ohne die Gebäudehülle zu sanieren, entsteht allein bei den Wohngebäuden ein jährlicher Strombedarf für den Betrieb aller Wärmepumpen von rund 11.5 TWh – hauptsächlich im Winter. Wird gleichzeitig gedämmt, sinkt dieser Bedarf auf rund 6.2 TWh. Das entspricht nahezu der Hälfte des Strombedarfs ohne sanierte Gebäudedämmung. Anders gesagt: Gut gedämmte Gebäudehüllen reduzieren den zusätzlichen Strombedarf durch Wärmepumpen um 5.3 TWh. 
 
Der Effekt hat zwei Ursachen: Eine gedämmte Gebäudehülle senkt erstens den Wärmebedarf grundlegend. Zweitens kann die Wärmepumpe effizienter arbeiten, weil sie mit niedrigerer Vorlauftemperatur betrieben werden kann. Beides zusammen reduziert den Stromverbrauch erheblich – und das vor allem in den Wintermonaten, wenn es am meisten zählt. 
 
Eine detaillierte Zusammenfassung der Studie und ihrer Ergebnisse finden Sie hier: https://www.flumroc.ch/stromsparpotenzial  

Unabhängige Forschung kommt zum gleichen Schluss 

Genau diesen Befund bestätigt nun eine unabhängige Forschungspublikation der OST - Ostschweizer Fachhochschule: «Influence of Scenarios for Space Heating and Domestic Hot Water in Buildings on the Winter Electricity Demand of Switzerland in 2050». Die Studie simuliert 12 Zukunftsszenarien für das Schweizer Energiesystem bis 2050 – mit einem klaren Ergebnis. 
 
Die Sanierungsrate der Gebäudehüllen auf den heutigen Dämmstandard ist von der in der Studie betrachteten Massnahmen der mit Abstand wirkungsvollste Hebel zur Reduktion der Winterstromlücke. Die Sanierungsrate der Gebäudehüllen auf den heutigen Dämmstandard ist von allen betrachteten Massnahmen im und am Gebäude der mit Abstand wirkungsvollste Hebel zur Reduktion der Winterstromlücke in einer Zukunft des erneuerbaren Heizens. 

Sanierungsrate und Winterstromlücke im Vergleich 

Sanierungsrate p.a. 

 

0.5%  

Winterstromlücke wächst um 3.2 TWh auf 13.9 TWh  

1.1% (Basisszenario BFE)  

Referenzwert mit 10.7 TWh  

2.0% (ambitioniertes Ziel)  

Winterstromlücke sinkt um 4.7 TWh auf 6.0 TWh 

Die Botschaft ist eindeutig: Eine konsequente Verdoppelung der Sanierungsrate reduziert die berechnete Winterstromlücke um 4.7 TWh. Und jedes Jahr, in dem die Sanierung verzögert wird, lässt sich nicht mehr aufholen – denn die Wirkung von Dämmung entfaltet sich kumulativ über Zeit. 

Hier finden Sie die Publikation zum Download: https://www.mdpi.com/1996-1073/18/21/5601  

Dämmen ist Versorgungssicherheit 

Beide Studien, unabhängig voneinander entstanden, kommen zur gleichen Schlussfolgerung: Wärmepumpen brauchen gedämmte Gebäude – nicht nur für den Komfort der Bewohnerinnen und Bewohner, sondern für die Stabilität des gesamten Schweizer Stromsystems im Winter. 
 
Gebäudedämmung ist damit mehr als eine Massnahme für Klimaschutz und Energieeffizienz. Sie ist ein konkreter Beitrag zur nationalen Versorgungssicherheit. 

Quellen: Walch, Settembrini, von Euw (2025): Energieeinsparung bei Heizungsersatz – Mit Sanierung der Gebäudehülle vs. Ohne Sanierung der Gebäudehülle. Hochschule Luzern, im Auftrag der Flumroc AG. / «Influence of Scenarios for Space Heating and Domestic Hot Water in Buildings on the Winter Electricity Demand of Switzerland in 2050», MDPI Energies, 2025.